matthaeus aussen klein 120
Wie schon vor 500 Jahren an der Schlosskirche zu Wittenberg herrschte am 18.Februar 2017 reges Treiben in und an der Matthäuskirche. Rund 30 Kinder zwischen 5 und 10 Jahren waren der Einladung zum Martin-Luther-Fest anlässlich des 500jährigen Jubiläums des Thesenanschlags gefolgt.





Ein Helferteam bestehend aus ehemaligen Kindergarten-Eltern des Matthäuskindergartens, Pfarrer Barth, Gemeindegliedern und Kindergartenmitarbeiterinnen hatte für die aufgeregte Kinderschar einiges vorbereitet, um ihnen Martin Luther näher zu bringen. Martin Luther – wer war das überhaupt? Und warum war er so wichtig für unseren Glauben? Was hat Luther zu seiner Zeit erreicht? So viele Fragen, und so viele wissbegierige Kinderaugen! Auf ging’s in die Zeit der Reformation!
In vier Workshops konnten die Kinder Martin Luther und seine Zeit näher kennen lernen.

Station 1 versetzte die Kinder in Luthers Zeit als Junker Jörg auf der Wartburg, auf der er das Neue Testament als erster ins Deutsche übersetzte. Es gab keinen komfortablen Füller, mit dem Luther arbeiten konnte. Oh nein, mit Feder und einem Tintenfass saß Luther in seiner Schreibstube und arbeitete an der Übersetzung der Evangelien. Die Kinder staunten, wie schwierig es sein konnte, mit einer echten Hohlraumfeder sauber zu schreiben. So mancher Tintenklecks landete dort, wo er nicht sein sollte. Eifrig zeichneten die Kinder Buchstaben nach, schrieben ihre eigenen Namen und lernten, dass Bücher zu Luthers Zeiten eine Besonderheit, ja, eine Kostbarkeit waren, die die Menschen hegten und pflegten. Verschnörkelte Buchstaben als Initialen waren Kennzeichen von sehr wertvollen Büchern.
These 1
Station 2 beschäftigte sich mit dem Leben Martin Luthers. Wie war das mit dem Gewitter, durch das Gott ihm das Zeichen gab, Mönch zu werden? Wie lebten Mönche überhaupt? Und was hat es mit dem Wappen Luthers, der sogenannten Lutherrose auf sich? Es fanden Gespräche über Wappen im Allgemeinen statt, darüber wie sie entstehen, besonders natürlich wie die Lutherrose entstanden ist und welche Bedeutung die Farben in Luthers Wappen haben. Die Kinder waren fasziniert und überlegten sich ihre ganz persönlichen Wappen, gestalteten sie farblich und erklärten hinterher, warum sie ihre Farben so ausgewählt haben.
These 3

Lautes Hämmern ließ sich bei Station 3 vernehmen. Hier wurden die Thesen angeschlagen – zwar nicht an die „echte“ Tür der Matthäuskirche, aber doch an eine Holztafel, die den Kindern ein Gefühl dafür vermittelte, wie es damals vor 500 Jahren in Wittenberg geklungen haben muss. Zunächst lernten die Kinder die Bedeutung der Ablassbriefe kennen – eine damals gängige Praxis der katholischen Kirche, bei der die Menschen sich durch Geld von ihren Sünden freikaufen konnten. Luther zweifelte das an: Konnte es wirklich sein, dass ich dafür bezahlen muss, dass Gott mir vergibt? Nein, Luther war sich sicher – es musste anders gehen! Und tatsächlich! Bei seinem intensiven Bibelstudium wurde ihm klar, dass Gottes Gnade allein durch den Glauben erreichbar ist („Sola fide!“). Diese Erkenntnis wollte Luther natürlich verbreiten und verkündete dies in den berühmten 95 Thesen, die er am 31.Oktober 1517 öffentlich an die Schlosskirche zu Wittenberg hängte. Das brachte ihm nicht nur Freunde, nein, am Ende wurde er für „vogelfrei“ ernannt, d.h. jedermann hätte ihn töten dürfen ohne dafür bestraft zu werden. Diese Geschichte fesselte die Kinder geradezu – Luther schrieb auf, was er sich von seiner Kirche wünschte, und brachte sich dadurch in Lebensgefahr! Auch sie wollten es Luther gleichtun und formulierten oder zeichneten ihre Wünsche an die Kirche auf. Am Ende hämmerte jeder seinen Anschlag an die Holztafel – für alle gut sichtbar.
These 2

Die Station 4 beschäftigte sich noch einmal gezielt mit der Bibel, die Luther durch seine Übersetzung ins Deutsche damals für das „gemeine“ Volk zugänglich gemacht hat. Man muss sich einmal vorstellen, dass im Mittelalter die Gottesdienste noch auf Lateinisch gehalten wurden, das nur die Priester und Gelehrten verstanden. Dem breiten Volk blieb der wahre Inhalt der Bibel verschlossen. Erst durch Luthers Übersetzung und die Entwicklung des Buchdrucks konnte die Bibel großflächig verbreitet werden. Die Kinder nahmen dies beim Wort und bastelten ihre eigenen kleinen Bibeln, gestalteten hierzu zunächst ein Deckblatt und hatten dann die Möglichkeit, Bibelverse auszuschneiden und eigenständig in ihre eigene Bibel einzukleben.
These 5

Der gelungene Luther-Tag wurde durch ein schmackhaftes, von der Frauenhilfe zubereitetes Mittagessen abgerundet. Am Ende gingen die Kinder mit ganz vielen Eindrücken nach Hause und freuten sich auf den nächsten Tag, an dem um 11 Uhr in der Matthäuskirche eine Familienkirche stattfand. In diesem Gottesdienst präsentierten die Kinder ihren Familien sowie der Gemeinde ihre Ergebnisse voller Stolz und schmunzelten das ein oder andere Mal, wenn ihre Eltern die vermeintlich „leichten“ Fragen von Pfarrer Barths „Luther-Quiz“ nicht beantworten konnten, waren sie selbst doch nun kleine „Luther-Experten“.

These 4

Die Resonanz auf das Luther-Fest war durchweg überaus positiv. Die Kinder berichteten noch tagelang von diesem Tag. Das Statement einer ehemaligen Kindergartenmutter: „Die Stimmung war mega-toll! Die ganze Vorbereitung hat sich gelohnt. Die Kinder waren so konzentriert bei der Sache. Wirklich ganz toll.“ charakterisiert sehr treffend, wie gut das Fest bei den Kindern (und Helfern und Organisatoren) angekommen ist. Hoffentlich wird so ein Tag bald eine Fortsetzung finden...
Stefanie Brünenberg